Beeren | Myrtillus | Blaubeere | Heidelbeere | Preiselbeere
Beeren - Kleine Fitmacher
Hinter der Bezeichnung Myrtillus-Beere verbirgt sich die Blaubeere, die den wissenschaftlichen Namen Vaccinium myrtillus trägt und zur Familie der Heidekrautgewächse gehört. Je nach Region wird sie auch als Heidelbeere, Schwarzbeere oder Waldbeere bezeichnet. Die Früchte reifen an einem bis zu 60 cm hohen Strauch heran, der bis zu 30 Jahren alt werden kann. Wenn die Beeren zwischen Juli und September reif sind, haben sie eine tiefe blauschwarze Farbe angenommen und sind etwa erbsengroß.
Wahrscheinlich kennen Sie die Myrtillus-Beeren vor allem als süße Bereicherung unseres Speiseplans. In Form von Blaubeermarmelade, Kompott, als Blaubeerkuchen und Blaubeerpfannkuchen ergänzen sie unser Ernährungsspektrum. Natürlich kann man sie auch roh, als gesunde Zwischenmahlzeit, verzehren. Die nach dem Genuss des Beerenobstes auftretende Blaufärbung von Zähnen und Lippen verschwindet nach kurzer Zeit wieder. Den für die Blaufärbung verantwortlichen Pflanzenfarbstoff verwendet auch die Lebensmittelindustrie. Sie finden ihn als Lebensmittelzusatzstoff E 163 z. B. in Fruchtgelees, Süßwaren, Obstkonserven und Speiseeis.
Verantwortlich für die Farbgebung sind die so genannten Anthocyane. Hierbei handelt es sich um Pflanzenfarbstoffe, die wasserlöslich sind und in fast allen höheren Pflanzen vorkommen. Sie sind es, die den Blüten und Früchten eine rote, violette, blaue oder blauschwarze Färbung verleihen. Der Wissenschaft sind ca. 250 verschiedene Anthocyane bekannt. Ihre Aufgaben bestehen u.a. darin, die Pflanzen vor dem UV-Spektrum der Sonne zu schützen und freie Radikale zu binden. Neben der Myrtillus-Beere weisen auch Brombeeren, blaue Trauben und Kirschen einen hohen Gehalt an Anthocyanen auf.
Die antioxidative Wirkung dieser Pflanzenfarbstoffe entfaltet sich auch in unserem Organismus und soll die Wirkung von Vitamin C und Vitamin E erheblich übertreffen. Antioxidantien schützen den Körper vor einer möglichen Schädigung durch freie Radikale, indem sie bestimmte Oxidationsvorgänge unterbrechen. Freie Radikale sind sehr reaktionsfreudige, aggressive sauerstoffhaltige Verbindungen. Sie können bestimmte Vorgänge in den Zellen unseres Körpers stören und damit Zellmembrane und Zellkerne schädigen. Dies kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises führen. Auch wird ein negativer Einfluss auf die Alterungsprozesse im Gehirn vermutet. Die vermehrte Entstehung von freien Radikalen kann durch hohe geistige oder körperliche Belastung begünstigt werden, weil der Stoffwechsel und damit der Sauerstoffverbrauch erhöht ist. Entzündungen im Körper begünstigen ebenfalls das Auftreten größerer Mengen von freien Radikalen. Außerdem sind in diesem Zusammenhang auch Umwelteinflüsse wie z.B. UV-Strahlung, Ozon und Pestizide nicht zu unterschätzende Faktoren. Neuen Forschungsergebnissen zufolge besitzen Anthocyane eine entzündungswidrige und gefäßschützende Wirkung. Außerdem sollen sie einen positiven Einfluss auf das Sehvermögen haben. In der Volksmedizin wird die Heidelbeere seit langer Zeit gegen Durchfallerkrankungen, Spannungskopfschmerzen und Migräne eingesetzt.
In der Nähe de Myrtillus-Beere findet man gelegentlich die auch zur Familie der Heidekrautgewächse gehörende Preiselbeere (Vaccinium vitis-ideae). Die herb schmeckenden Beeren wachsen an immergrünen, bis 40 cm hohen Sträuchern. Anfangs sind Sie weiß und mit dem Reifeprozess von Mitte August bis September färben sie sich scharlachrot. Roh wird die Preiselbeere wegen ihres herb-säuerlichen Geschmacks eher selten verzehrt. Sie ist vor allen Dingen als Beilage zu Wildgerichten und Camembert in der Küche beliebt. Ihr Vitamin-C-Gehalt ist im Vergleich zu anderen Beerensorten geringer, dafür ist sie reich an Vitamin B1, B2, B 3, und Beta-Karotin. Außerdem enthält sie viele Mineralstoffe. Bereits im 12. Jahrhundert ist die Preiselbeere von der Kräuter kundigen Äbtissin Hildegard von Bingen empfohlen worden. Die entzündungshemmenden Wirkstoffe der Preiselbeeren finden in der Volksmedizin traditionell Anwendung bei Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen. Zudem ist Preiselbeersaft bei Blasen- und Niereninfektionen hilfreich. In der Forschung ist man sich über die Wirkungsweise der Preiselbeere bei Harnwegsinfektionen noch nicht ganz schlüssig. Wissenschaftler waren bisher der Meinung, dass bestimmte Wirkstoffe der Beeren eine Ansäuerung des Urins bewirken und damit die Harnwege widerstandsfähiger gegen bakterielle Infektionen machen könnten. Neuere Untersuchungen zeigen aber auf, dass die Inhaltsstoffe der Preiselbeere dafür sorgen, dass sich Bakterien nicht mehr an die Schleimhautzellen anheften können, um eine Infektion auszulösen. Auf diese Weise werden die Erreger schnell mit dem Harn aus dem Körper ausgespült. In vielen Fällen ist der Einsatz von Antibiotika damit unnötig geworden. Durch Studien wurde belegt, dass die vorbeugende Einnahme von Preiselbeersaft helfen kann, weitere Infektionen zu verhindern.
Eine nordamerikanische Verwandte der einheimischen Preiselbeere ist die Cranberry oder Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon), die auch als Kulturpreiselbeere bezeichnet wird. Cranberries sind wesentlich größer und unterscheiden sich auch im Geschmack von der Preiselbeere. Im Norden der USA werden Cranberries kommerziell angebaut, vor allem in den Bundesstaaten Oregon, Washington , Massachusetts und Wisconsin, sie haben aber ein sehr viel größeres Verbreitungsgebiet. Auf den Feldern breiten sie sich am Boden kriechend aus und bilden dabei lange Ranken. Ihr Name, Kranich-Beere (Crane-Berry), leitet sich aus der Ähnlichkeit der Cranberry-Blüte mit dem Kopf eines Kranichs ab. Die Erntezeit beginnt Mitte September und endet Anfang November. Es gibt zwei verschiedene Erntemethoden. Bei der Trockenernte benutzen die Farmer Erntemaschinen, die Mähdreschern ähnlich sehen, um die Beeren vom Strauch abzulösen. Für die Nassernte werden die Felder bis zu einem Wasserstand von 45 cm geflutet. Das Wasser löst die Beeren durch einen Strudelsog von den Sträuchern. Die Cranberries schwimmen, weil sie vier Luftkammern haben, auf dem Wasser. Sie werden abgesaugt und über Fließbänder auf Lastkraftwagen weitertransportiert. Cranberries werden zu vielfältigen Produkten verarbeitet. In den USA ist es unvorstellbar, dass an Thanksgiving der traditionelle Truthahn ohne Craneberry-Sauce serviert wird. Unter gesundheitlichen Aspekten betrachtet, besitzen Cranberries ein ebenso großes Wirkungsspektrum wie Preiselbeeren. Zunehmend werden sie auch hier für die Küche entdeckt und sind als getrocknete Früchte das ganze Jahr über verfügbar.
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